Vom Zweck und Selbstzweck des Firmenfestes

Weihnachtsfeiern mit Erlebniswert

Letzte Woche war ich zum ersten Mal in meinem Leben in einem Spielcasino. Dabei hat mich weniger das Spielen fasziniert als die Menschen, die in dem Casino spielten: Zerzaust frisiert, diabolisch irr blickend und im Viertelstundentakt 500-Euro-Scheine in Spielchips einwechselnd. Eine wunderschöne Sozialstudie, die mir einer meiner Auftraggeber ermöglichte, denn er hat im Rahmen einer Weihnachtsfeier ins Casino geladen.

Mit meinen Eindrücken war ich nicht alleine. Erstaunt-amüsiert tauschten wir Kollegen uns über das beobachtenswerte Millieu aus, das wir alle deutlich prunkvoller erwartet hatten. Und das ist ja das Schöne an einer Weihnachtsfeier: Man kommt zusammen, tauscht sich aus, amüsiert sich gemeinsam. Das ist gut fürs Betriebsklima, denn wenn die zwischenmenschliche Atmosphäre stimmt, können sich die Kompetenzen der Teammitglieder ungestört entfalten.

Viele Arbeitgeber halten aus genaus diesem Grund (nicht nur zu Weihnachten) Betriebsfeiern ab, das sie auch gerne unter ein bestimmtes Motto stellen, wie gemeinsam Kochen oder auch Singen. Und das ist gut! Denn ein Chef, der sich mit schiefen Tönen beim Karaoke zum Affen macht, kann über sich selbst lachen. Das bringt ihm im Gegenzug Achtung ein. Wenn bei einem Drachenbootrennen Praktikant und Geschäftsführer buchstäblich im selben Boot sitzen, spüren sie  geradezu, dass fürs Vorankommen die Leistung aller notwendig ist – unabhängig von der Hierarchie. Soweit die guten und nachahmenswerten Beispiele.

Der unredliche Schenker fährt Missernten ein

Gerade weil ja bald Weihnachten ist, noch die Kehrseite der Medaille:  Ein Geschenk entfaltet dann Frohsinn, wenn es bedingungslos erfolgt (sonst wäre es kein Geschenk, sondern ein Geschäft).  Oder wie sympathisch sind die Gestalten, die nach Weihnachten den Wert ihrer erhaltenen Geschenke mit den Kaufbelegen für ihre vergebenen Gaben vergleichen, um  ein persönliches Kostencontrolling zu zelebrieren? Genauso sympathisch wie die Chefs, die in Feierlichkeiten nicht mehr investieren, als sie durch die erkaufte Aufopferungsbereitschaft ihrer Mitarbeiter in Form von „freiwilliger“ Mehrarbeit zurück erwarten. Eine über Jahre gepflegte Excelliste hält diese Bilanz auf stets aktuellem Stand.

Wer seine Mitarbeiter systematisch ausquetscht, darf sich nicht wundern, wenn sie irgendwann kraftlos die Segel streichen. Im letzten Jahr wurde ich so oft wie  noch  nie  zuvor mit dem Thema Burn Out konfrontiert. Sowohl in meinen Beratungen als auch privat häufen sie Fälle, in denen ein Burn-Out-bedingter Klinikaufenthalt die Vita (jedoch nicht den Lebenslauf)  ziert. Und mittlerweile berichten mir Leute in den 30ern davon.

Mitarbeiterbindung ist eine Frage der Qualität – nicht der Quantität

Gleichzeitig  – so hat Die Zeit neulich berichtet, geben Firmen immer mehr Geld für Mitarbeiter-Events aus. Spricht das für einen Trend der Unternehmen, sich Dankbarkeit und Loyalität zu erkaufen? Laut des Artikels würden nur 14 Prozent aller Arbeitnehmer eine emotionale Bindung an ihr Unternehmen verspüren.

Dabei lassen sich emotionale Bindungen nicht einfach kaufen; Bindungen muss man pflegen. Denn nicht nur in der Verwandtschaft, sondern auch in einem Betrieb verhalten sich Menschen wie Menschen. Geschenke (ehrliche!) erhalten die Freundschaft. Das schafft Leidenschaft. Erkaufte „Freundschaft“ hingegen schafft nur Leiden.

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