PISA – eine Ende der Auslese?

Die Schwachen holen auf. So kommentiert Barbara Ischinger, die deutsche Bildungsdirektorin der OECD, die aktuellen Ergebnisse der PISA-Studie. Das ist ein gutes Ergebnis, denn es zeigt, dass die Schwachen nicht schwach bleiben müssen, sondern gestärkt werden können. Die Journalistin Anna Lehmann hat mir dabei sehr aus der Seele geschrieben. Sie kommentiert in der taz die Ergebnisse der neuesten PISA-Studie, die die Haltung von konservativen Politikern und Lehrerverbänden widerlegten, „nur eine strengere Auslese sichere die nötige Qualität“.

Furchtbare Pädagogen

Auslese! Mir wird schlecht.

Es müssen furchtbare Pädagogen sein, die fest daran glauben, Menschen nach dem ersten Lebensjahrzehnt schon in dumm oder klug einteilen zu können. Dabei ist die Geschichte voll von Leuten, die dereinst Schulversager waren. Mit Albert Einstein ist ein Nobelpreisträger unter ihnen. Und die Welt ist voll von Arbeitgebern, die gar nicht so viel auf gute Schulnoten geben. Sie wünschen sich vielmehr Menschen, die Neugier und Leidenschaft für ihren Beruf mitbringen.

Berufene Lehrer ermutigen berufene Menschen

Was  hingegen häufig beklagt wird ist, dass jungen Menschen die Fähigkeit abgeht, eigenständig Probleme zu lösen. Wenn man bei Google nichts findet, ist man ratlos. Oder hat man Angst vor dem eigenen Denken und Handeln? Wissen besteht nicht nur aus Informationen und Daten, sondern auch aus dem Umgang damit. Und diesen Umgang lernt am Besten, in dem man damit  umgeht. Auch hier liegt der Schlüssel in kleinen Klassen, anschaulichem Unterricht, Teamarbeit und vor allem einer Atmosphäre, in der man sich ausprobieren darf – scheitern inklusive. Lehrer, die ihren Beruf als Berufung sehen, sind die bestem Moderatoren und Koordinatoren dieser Schulform.

Aufgeklärte Politiker

Unter den Politikern sind durchaus einige aufgeklärte Exemplare, die diese Zeichen richtig deuten können. Beruhigend ist, dass der amtierende Präsident der Kultusministerkonferenz Stephan Dorgerloh darunter zu sein scheint. Er forciert in Sachsen-Anhalt den Ausbau von Ganztagsschulen. Man möge hoffen, seine Kollegen hören die Signale.

Furchtbare Politiker

Leider bin ich als Hamburger ein gebranntes Kind. Die Schulreform der schwarz-grünen Landesregierung 2008 – 2011 sah unter anderem die Einführung einer Stadtteilschule vor, eine neue Lernkultur, eine verstärkte Lehrerfortbildung, die Einrichtung weiterer Ganztagsschulen und die Integration von Kindern mit Behinderung. Das Konzept wurde vom einem Bürgerentscheid gekippt, den ein gewisser Walter Scheuerl auf dem Weg gebracht hat. Scheuerl, heute Mitglied der CDU-Bürgerschaftsfraktion, konnte ernsthaft mit Ängsten punkten, dass die starken Schüler wegen der schwachen Schüler verblöden könnten. Ein furchtbarer Politiker. Oder vielleicht einfach nur ein schwacher Mensch, der auch anderen nicht gönnt, stark zu werden.

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