Es geht um Geld

Wir schauen dann mal rein

Wir Menschen tummeln uns in verschiedenen Kreisen: Freunde, Verwandte, Vereine, Veranstaltungen, Expertenrunden. In diesen Runden spricht man. Small Talk. Man spricht auch über seinen Job. Small Talk ist allerdings oberflächlich. Niemals würde man einen Proktologen bei irgendeiner Zusammenkunft fragen, ob er mal schnell irgendwo hineinschauen könnte. Ganz anders bei den Karriereberatern.

„Könnten Sie mal kurz in meinen Lebenslauf schauen?“ – das könnte grundsätzlich auch der Beginn einer wunderbaren Geschäftsbeziehung werden, wäre da nicht das Wörtchen „kurz“.

Auch der Berater arbeitet gegen Geld – nicht wegen des Geldes

Aus Gespräche mit Kollegen weiß ich, wie beliebt solche Fragen sind. „Können Sie mal kurz“ – Hilfe! Da will einer was geschenkt. Manche der Frager kennt es natürlich gar nicht anders. Seine frühere Firma hat im Rahmen von Abwicklungsvereinbarungen die Outplacementberatung bezahlt oder eine Transfergesellschaft eingerichtet. Als Berater oder Coach waren wir dann die Leute, die die Lebensläufe optimierten und Anschreiben verbesserten; wir diskutierten Firmenlisten und erarbeiteten Argumentationsstrategien. Dabei versetzten wir uns in die Rolle der Arbeitgeber, verinnerlichten vorab deren Firmenkultur,  um dann in einem Rollenspiel den Klienten mögliches umfassend für das Vorstellungsgespräch zu trainieren.

Kurz: Wir waren die, zu denen man einfach gehen konnte. Dass wir im Hintergrund die Leistungen natürlich abrechneten, musste eigentlich auch den Klienten klar sein, denn wer berufstätig ist, arbeitet gegen Geld. Das machen die Klienten ja auch – nicht umsonst gehört die Vorbereitung einer argumentativ untermauerten Gehaltsverhandlung auch zu unseren Beratungsinhalten.

Das Geld, das der Berater oder Coach kriegt, entlohnt den Einsatz seines Verstandes und seiner Gedanken. Er wird fürs Nachdenken bezahlt. Das ist freilich weniger sichtbar als ein Sack Kartoffeln, für den man einen Kilo-Preis bezahlt. Aber in einem rohstoffarmen Land wie Deutschland, in dem 73 Prozent aller Erwerbstätigen in der Dienstleistungsbranche arbeiten, sollte Geld gegen Geistesleistung eigentlich keine Diskussion mehr auslösen.

Wer nichts investieren will, soll auch nichts bekommen

Wir Berater und Coaches sind serviceorientierte Menschen. Manche haben sogar ein Helfersyndrom. Ein Informationsgespräch ist bei den meisten – so auch bei mir – immer kostenlos. Und als freier Dienstleister am Markt nehme ich sogar die Freiheit heraus, nach unten abzuweichen. Ich mache auch Freundschaftspreise oder unterstütze bestimmte Initiativen wie zum ArbeiterKind.de kostenlos. Dies ist allerdings freiwillig. Das entscheide ich. Die Selbstverständlichkeit, mit der manche Menschen Beratungs- und Coachingleistungen einfach gratis einfordern, ist empörend. Das ist das Gegenteil von Wertschätzung. Und damit sollte die Geschäftsbeziehung enden, bevor sie beginnen kann.

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